Psychotherapie Depression

Hinweise, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen

Welche Hinweise deuten auf das Vorhandensein einer Depression hin?

Es gibt klare Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Niedergeschlagenheit handelt. Die drei Hauptanzeichen umfassen:

  1. Gedrückte, depressive Stimmung, die den Großteil des Tages anhält und fast täglich auftritt.
  2. Geringes Interesse und Freude an wichtigen Aktivitäten, wie beispielweise Hobbies, die einst Vergnügen bereitet haben.
  3. Verminderter Antrieb oder schnelle Ermüdung.
 
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Diagnose Depression

Wie erfolgt die Diagnose einer Depression?

Der Diagnoseprozess beginnt mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Psychotherapeuten. Dabei wird nach Ihren Beschwerden, Ihrer aktuellen Lebenssituation, eventuellen Begleiterkrankungen und eingenommenen Medikamenten gefragt. Ein offenes und ehrliches Gespräch ist entscheidend, um festzustellen, ob eine Depression vorliegt und wie ausgeprägt sie ist.

Da Symptome, die einer Depression ähneln, auch bei anderen seelischen oder körperlichen Erkrankungen auftreten können, werden möglicherweise zusätzliche Fragen gestellt und körperliche Untersuchungen durchgeführt, um andere Krankheitsbilder auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Depression

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die das tägliche Leben stark beeinträchtigen können. Die Suche nach Hilfe und geeigneten Behandlungsmöglichkeiten ist entscheidend, um aus dem emotionalen Tief herauszufinden. Hierbei spielen verschiedene Ansätze eine Rolle, dazu zählen unter anderem Psychotherapien oder eine medikamentöse Behandlung. Oftmals kombiniert man diese Ansätze, um eine effektive Behandlung zu gewährleisten. Während depressive Episoden über Wochen oder Monate anhalten können, ist es wichtig zu verstehen, dass es verschiedene Wege gibt, ihnen zu begegnen.

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Die Frage, ob eine Depression immer behandelt werden muss, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Dabei ist es essenziell, regelmäßig mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt in Kontakt zu bleiben und die Entwicklung der Symptome zu beobachten. Der Austausch mit Partnern, Angehörigen, oder Freunden kann ebenfalls unterstützend wirken. Bei mittelschweren bis schweren Depressionen sowie chronischen Verläufen ist eine sofortige Therapie in der Regel dringend erforderlich. 

Symptome der Depression: Erkennen und Verstehen

Im täglichen Leben erleben viele Menschen Stimmungsschwankungen. Doch wie unterscheidet man normale Gefühlsschwankungen von einer Depression? Diese psychische Erkrankung manifestiert sich durch Kernsymptome sowie zusätzliche Anzeichen.

Hauptsymptome:

1. Depressive, gedrückte Stimmung bzw. „innere Gefühlsleere“
2. Wenig Interesse und Freude an wichtigen Aktivitäten
3. Verminderter Antrieb und rasche Ermüdbarkeit, selbst nach geringen Anstrengungen

Zusatzsymptome:

1. Sozialer Rückzug
2. Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
3. Vermindertes Selbstvertrauen
4. Gefühle der eigenen Wertlosigkeit
5. Schuldgefühle
6. Pessimistische bzw. negative Gedanken zur Zukunft
7. Suizidgedanken, Selbstverletzung, Suizidhandlungen
8. Schlafstörungen
9. Verminderter Appetit oder starkes Bedürfnis viel zu essen
10. Kognitive Beeinträchtigungen

Für leichte und mittelgradige depressive Episoden kann zusätzlich ein sogenanntes somatisches Syndrom diagnostiziert werden. Dies umfasst Merkmale wie Morgentief, Schwierigkeiten, auf positive Ereignisse zu reagieren, frühmorgendliches Erwachen, deutlicher Appetitverlust, Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent des Körpergewichts im Monat, psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit, sowie deutlicher Verlust der Libido.

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Weitere, nicht direkt auf Depression schließende Symptome können folgende sein:

  • Mattigkeit und körperliche Abgeschlagenheit
  • Verdauungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Druckgefühl im Halsbereich, „Globusgefühl“
  • Probleme mit der Atmung oder dem Herz-Kreislauf-System
  • Schwindel
  • Sehprobleme
  • Muskelverspannungen, Nervenschmerzen
  • Gedächtnisprobleme

Hinweis: Körperliche Symptome müssen medizinisch abgeklärt werden, um organische Ursachen auszuschließen.

Es ist entscheidend, diese Symptome frühzeitig zu erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sollten Sie Anzeichen einer Depression bei sich oder anderen bemerken, zögern Sie nicht, ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung zu suchen.

Für weitere Informationen und Hilfe stehen Ihnen verschiedene Anlaufstellen zur Verfügung, darunter Ärzte, Psychotherapeuten und klinische Psychologen.

Depression - Komorbidität

Komorbidität bezieht sich auf das gleichzeitige Vorhandensein von zwei oder mehr Krankheiten oder Störungen bei einer Person. In Bezug auf psychische Gesundheit bedeutet Komorbidität, dass eine Person neben der primären diagnostizierten Erkrankung auch an anderen psychischen Störungen oder körperlichen Krankheiten leidet. Depressive Erkrankungen treten oft gemeinsam mit anderen Gesundheitsproblemen auf, und diese Zusammenhänge werden als Komorbiditäten bezeichnet. Entweder als vorherige Entwicklungen oder als Folgeerkrankungen. Depressive Erkrankungen gehen besonders häufig mit Angststörungen, substanzbezogenen psychischen Problemen, Schmerzen, Demenz sowie verschiedenen somatischen Krankheiten wie Diabetes mellitus, koronaren Herzerkrankungen, zerebrovaskulären und chronischen Erkrankungen sowie bösartigen Neubildungen einher. Das gleichzeitige Auftreten von depressiven Erkrankungen kann den Verlauf somatischer Krankheiten oft negativ beeinflussen, was die psychosomatische Gesamtmorbidität und die Mortalität erhöht.

Depression - Epidemiologie

Die Epidemiologie der Depression in Österreich zeigt, dass etwa 6,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer depressiven Erkrankung leiden. Frauen sind mit 6,8 Prozent häufiger betroffen als Männer, bei denen die Rate bei 6,3 Prozent liegt. Die Ein-Jahres-Prävalenz, also der Anteil der Personen, die innerhalb eines Jahres an Depressionen erkranken, beträgt 9,8 Prozent (11,5 Prozent bei Frauen und 7,9 Prozent bei Männern). Im europäischen Vergleich liegt Österreich in Bezug auf die Prävalenz depressiver Symptome im Mittelfeld.

Unter den österreichischen Kindern und Jugendlichen im Alter von 10–18 Jahren sind etwa 2,9 Prozent zu einem bestimmten Zeitpunkt von einer depressiven Erkrankung betroffen. Im Jahr 2010 gehörte Österreich im Vergleich zu zehn europäischen Ländern zu den Ländern mit der geringsten Häufigkeit depressiver Symptome bei 14- bis 16-Jährigen.

Aktuelle Ergebnisse zur Prävalenz von depressiven Erkrankungen bei älteren Menschen in Österreich liegen derzeit nicht vor. Allerdings steht Österreich unter den Ländern mit der geringsten Prävalenzrate depressiver Symptome bei Personen ab 50 Jahren.

Quellennachweis: Nowotny, Monika; Kern, Daniela; Breyer, Elisabeth; Bengough, Theresa; Griebler, Robert (Hg.): Depressionsbericht Österreich. Eine interdisziplinäre und multiperspektivische Bestandsaufnahme. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. Wien, 2019. 

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) schlägt anlässlich des Europäischen Tags der Depression am 1. Oktober 2023 Alarm. Trotz ihrer Häufigkeit weltweit werden Depressionen nach wie vor tabuisiert und unterschätzt. Der Verband ruft dazu auf, die Volkskrankheit ernst zu nehmen und verstärkt aufzuklären. In Österreich sind rund 730.000 Menschen von Depressionen betroffen, und die Folgen der Corona-Pandemie, anhaltende Teuerungen sowie globale Krisen verschärfen die Lage. Besorgniserregend ist, dass Studien zufolge Frauen doppelt so oft wie Männer unter Depressionen leiden.

„Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die dringend behandelt werden muss. Prävention erfordert, dass wir alle die ersten Anzeichen einer seelischen Erkrankung besser erkennen können. Es ist höchste Zeit, offen über Depressionen zu sprechen, um Menschen aufzuklären und das Thema zu enttabuisieren“, erklärt BÖP-Präsidentin ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. Sie fügt hinzu: „Die höhere Prävalenz bei Frauen hat viele Ursachen, darunter die fortbestehende Ungleichheit.“ Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap, unrealistische Körperideale, Gewalt und die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit seien erforderlich.

„Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit“

Unabhängig vom Geschlecht ist Depression eine ernsthafte psychische Erkrankung und kein individuelles Versagen. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass psychische Gesundheit endlich denselben Stellenwert wie physische Gesundheit erhält. Denn es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit!“, betont ao. Univ.-Prof.in Dr.in Wimmer-Puchinger.