Ratgeber · Psychosomatik · Psychotherapie

Psychosomatische Erkrankungen: Wenn der Körper leidet und die Psyche mitwirkt

Viele Menschen erleben körperliche Beschwerden, für die sich in Untersuchungen keine ausreichende organische Erklärung findet – oder deren Intensität nicht gut zu den Befunden passt. Psychosomatik bedeutet nicht „eingebildet“, sondern beschreibt die komplexe Wechselwirkung von Körper, Psyche und Lebensumfeld.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnostik. Bei neuen, starken oder ungewöhnlichen Symptomen lassen Sie bitte medizinisch abklären, ob eine körperliche Ursache vorliegt. In akuten Krisen finden Sie Notfallkontakte auf der Kontaktseite.

Was bedeutet Psychosomatik?

Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Körper (Soma), Psyche (Psyche) und dem sozialen Umfeld. Belastungen, Stress, innere Konflikte oder auch traumatische Erfahrungen können körperliche Beschwerden auslösen oder verstärken. Umgekehrt können körperliche Erkrankungen die Psyche stark belasten (somatopsychische Reaktionen). [1]

„Psychosomatisch“ heißt nicht „ohne Realität“

Für Betroffene sind die Symptome real – oft schmerzhaft, erschöpfend und im Alltag einschränkend. Genau deshalb ist eine respektvolle, ernstnehmende Haltung wichtig: Der Körper „spielt nicht Theater“, sondern zeigt Stress- und Belastungszustände häufig über körperliche Signale. [2]

Begriffe, die Sie vielleicht gehört haben

Somatoforme Störung / funktionelle Beschwerden
Körperliche Symptome ohne ausreichende organische Erklärung – häufig über längere Zeit, mit hoher Belastung. [2]
Funktionelle Körperbeschwerden
Leitlinienbegriff für eine heterogene Gruppe von Beschwerden; Diagnose und Therapie orientieren sich am biopsychosozialen Modell. [4]

Häufige psychosomatische Symptome

Psychosomatische Beschwerden können sehr unterschiedlich auftreten und verschiedene Organsysteme betreffen. Häufig genannt werden u. a. Verdauungsprobleme, chronische Schmerzen, Herzbeschwerden oder Tinnitus. [1]

Beispiele, die in der Praxis oft vorkommen

  • Kopfschmerzen und Migräne, Nacken- oder Rückenschmerzen, Verspannungen
  • Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall/Verstopfung, Reizdarmsyndrom)
  • Schwindel, Herzklopfen, Atembeschwerden
  • Erschöpfung, Schlafprobleme
  • Hautsymptome (z. B. Jucken, Ausschläge) [1]
Einordnung: Auch wenn Beschwerden psychosomatisch mitbedingt sein können, bleibt die medizinische Abklärung wichtig – besonders bei neuen, starken oder sich verändernden Symptomen.

Diagnostik: Wie wird abgeklärt?

Eine psychosomatische (bzw. somatoforme) Diagnose wird in der Regel erst erwogen, wenn organische Ursachen angemessen abgeklärt wurden – und parallel eine „positive“ psychische Diagnostik erfolgt, also ein stimmiges Gesamtverständnis der Beschwerden entsteht. [3]

Warum „mehr Untersuchungen“ nicht immer besser ist

Wiederholte, nicht zielführende diagnostische Schleifen können belastend sein und es erschweren, einen psychischen Zusammenhang zu akzeptieren. Daher wird abgewogen, welche Diagnostik sinnvoll ist – und wann ein nächster therapeutischer Schritt hilfreicher ist. [3]

Behandlung: Welche Ansätze helfen?

Häufig ist eine kombinierte Perspektive sinnvoll: medizinische Begleitung (z. B. Hausärzt:in/Fachärzt:in) und Psychotherapie arbeiten zusammen, um Symptome zu verstehen, Belastungen zu reduzieren und Handlungsspielraum zurückzugewinnen. [3]

Psychotherapie als zentraler Baustein

Das Gesundheitsportal Österreich beschreibt bei schwereren oder länger andauernden Verläufen Psychotherapie als wichtigen Behandlungsanteil (z. B. verhaltenstherapeutische, psychoanalytische oder hypnosepsychotherapeutische Ansätze). [3]

Was Leitlinien und Studienlage ergänzend zeigen

Leitlinien zu funktionellen Körperbeschwerden geben Indikationen für ambulante Psychotherapie (u. a. psychosoziale Belastungen, Komorbiditäten, dysfunktionale Krankheitsannahmen). [4]

Meta-analytische Evidenz zeigt zudem, dass kurzzeit-psychodynamische Psychotherapie (STPP) bei funktionellen somatischen Störungen in randomisierten Studien somatische Symptome reduzieren kann (im Vergleich zu Minimalbehandlung/Warteliste/TAU). [6]

Was in der Therapie praktisch passiert
In einer seriösen psychosomatischen Psychotherapie geht es nicht darum, Symptome „wegzureden“. Es geht um Verstehen: Welche Belastungen, Emotionen, Beziehungsmuster oder Lebenssituationen stehen mit den Beschwerden in Zusammenhang – und wie lässt sich anders damit umgehen?

Psychotherapie in Wien: Wie ich arbeite

Psychotherapie ist in Österreich ein eigenständiges Heilverfahren zur Diagnostik und Behandlung psychischer, psychosozialer und psychosomatisch bedingter Leidenszustände. [7]

Meine Methode

Ich arbeite psychoanalytisch orientiert (POP). Im Zentrum steht ein gemeinsamer Verstehens- und Erlebensprozess: Symptome – auch körperliche – werden nicht isoliert betrachtet, sondern in der persönlichen Lebensgeschichte und den aktuellen Belastungen eingeordnet.

Mehr dazu finden Sie hier: Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie.

Rahmen, Ablauf und Kosten

Informationen zu Setting, Ablauf (Erstgespräche) und Honorar finden Sie gebündelt hier: Ablauf & Kosten.

CTAs: Erstgespräch anfragen

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Stress, innere Konflikte oder ein hoher Druck mit Ihren körperlichen Beschwerden zusammenhängen könnten:

Praxis: Penzinger Straße 67/6, 1140 Wien (Termin nach Vereinbarung).

Hinweis zur Finanzierung: Bei Vertragspsychotherapie übernimmt die ÖGK die Kosten; bei freiberuflicher Psychotherapie ist ein Kostenzuschuss möglich, wenn Voraussetzungen erfüllt sind (ab bestimmter Sitzungszahl Bewilligung). [8]

FAQ

Kann Psychotherapie helfen, auch wenn ich „nur“ körperliche Symptome habe?

Ja – sofern nach angemessener medizinischer Abklärung ein psychosomatischer Zusammenhang plausibel ist. Psychotherapie zielt dann darauf ab, Belastungen zu reduzieren, Symptome zu verstehen und neue Bewältigungswege zu entwickeln. [3]

Muss ich erst alle Untersuchungen machen lassen?

Eine angemessene Abklärung ist sinnvoll, aber endlose Untersuchungszyklen sind nicht automatisch hilfreich. Häufig ist ein abgestimmtes Vorgehen wichtig: medizinisch klären, was geklärt werden muss – und parallel psychotherapeutisch arbeiten. [3]

Ist alles, was psychosomatisch ist, „ohne Befund“?

Nein. Psychosomatik umfasst auch Situationen, in denen körperliche Erkrankungen bestehen und psychische Faktoren den Verlauf beeinflussen – oder umgekehrt. [1]

Quellen

  1. Gesundheitsportal Österreich: „Psychosomatik: Was ist das?“ Link
  2. Gesundheitsportal Österreich: „Somatoforme Störungen: Was ist das?“ Link
  3. Gesundheitsportal Österreich: „Somatoforme Störungen: Diagnose & Therapie“ Link
  4. AWMF S3 Leitlinie (Reg.-Nr. 051-001): Funktionelle Körperbeschwerden (Langfassung/Leitlinien-Umfeld) Link
  5. WHO: ICD-11 CDDR – Publikationsseite (Hintergrund zur ICD-11 klinischen Diagnostik) Link
  6. Meta-Analyse: Short-Term Psychodynamic Psychotherapy for Functional Somatic Disorders (RCTs) PubMed
  7. Gesundheitsportal Österreich: „Psychotherapie“ (Definition, Aufgaben, rechtliche Grundlagen) Link
  8. Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK): „Psychotherapie“ (Kostenübernahme/Kostenzuschuss/Voraussetzungen) Link